Geschichte der Freimaurerloge
- Die Wurzeln der Freimaurerei
- Die Freimaurerei kommt nach Deutschland und Magdeburg
- Blüte und Verbot
- Die Wiederauferstehung
Die Wurzeln der Freimaurerei
Über die Quellen und Wurzeln der Freimaurerei gibt es viele Spekulationen. Vieles liegt im Dunkeln, einiges klingt abstrus, anderes zumindest unglaubwürdig. Etliche Vermutungen werden sich niemals nachweisen lassen auch wenn sich freimaurerische Wege auf antike Inhalte der ägyptischen Mythologie, der jüdischen Mystik des alten Testamentes, der Kaballah und anderem berufen. Auch die antiken griechischen Wissenschaftler wie Platon, Sokrates, Archimedes und vor Allem Pythagoras inspirierten freimaurerisches Gedankengut sehr intensiv. Ob sich ein Weg tatsächlich zurückverfolgen lässt oder in vielen Fällen Wünsche Väter der Gedanken waren, bleibt im Dunkeln.
Auch das Mittelalter war sehr prägend für die Freimaurerei. So lässt sich sicher der Weg zurückverfolgen, der die Freimaurerei aus dem Mittelalter bis ins frühe 18. Jahrhundert aus den mittelalterlichen Bauhütten in die neuen Lodges, die Logen der Gründungszeit 1717 in London und England führten. Zahlreiche Belege und Dokumente zeichnen diesen Weg auf, bis heute sind auch die Bräuche, Riten und Traditionen gefüllt mit Anlehnungen an die historischen Bräuche und Gepflogenheiten der mittelalterlichen Bauhütten. Hier befindet sich der schlüssigste Zusammenhang für die Entstehung der modernen Freimaurerei. Eine Episode des Mittelalters ist ebenfalls bedeutsam für die Freimaurer. Die legendenumwobenen Tempelritter, die zur Zeit der Kreuzzüge im Heiligen Land gegründet wurden, werden auch oft in einen Zusammenhang mit der Freimaurerei gebracht. Von ihren Erfahrungen und dem Wissen, das sie sich im Orient erworben haben über ihren steilen Aufstieg als Kriegs- und Wirtschaftsmacht in Europa bis hin zu ihrem spektakulären Verbot durch König Phillipp den Schönen von Frankreich und Papst Clemens V. bieten sie viel Material für Geschichten und Legenden. Über eine Flucht von Templern nach England und die spätere Verbindung zu den Wurzeln der Freimaurerei ist natürlich nichts verbrieft aber nicht wenige Freimaurer erwärmen sich für diese Wegbeschreibungen.
Historisch belegt ist, dass die mittelalterlichen Steinmetzgilden(craft guilds) bereits im 15. Jahrhundert begannen, nicht mehr nur noch Werkgenossen, sondern auch deren Frauen und Witwen sowie auch Männer aufzunehmen, die nichts mit den Handwerken zu tun hatten. Im Laufe der Jahrhunderte kippte die Aufteilung immer weiter, so dass am Ende des 17. Jahrhunderts kaum noch tatsächliche "Craftsmen" Mitglieder der Lodges waren. Um den Vereinigungen mehr gesellschaftliche und auch politische Bedeutung zukommen zu lassen aber auch die verwirrenden internen Strukturen zu straffen, beschloss man, die bestehenden Logen in einer oder mehreren Großlogen zusammenzuführen. Das war die Geburtsstunde der "Modernen" Freimaurerei.
Am 24. Juni 1717, St. Johannis, trafen sich in London in der Taverne "The Goose and the Gridiron" vier Logen, um die erste Großloge in England zu gründen und einen ersten Großmeister zu wählen. Dieses Datum gilt für alle Freimaurer weltweit als das (willkürlich gewählte) Gründungsdatum der modernen Freimaurerei. 6 Jahre später schrieb James Anderson die "Alten Pflichten", ein Regelwerk der Freimaurerei, welches bis in die heutige Zeit für alle Logen der Welt maßgeblich ist.
Die Freimaurerei kommt nach Deutschland und Magdeburg
Von England aus verbreitete sich die Freimaurerei rasant auf dem europäischen Festland. Im Wesentlichen gab es zwei Wege: den Handel und bewaffnete Auseinandersetzungen. Deutsche Händler wurden frühzeitig Mitglieder in englischen Logen. Auch aus diesem Grund war Hamburg die erste deutsche Stadt, in der 1737 eine Loge gegründet wurde mit dem Namen "Absalom zu den drei Nesseln". Von Hamburg aus verbreitete sich die neue Idee in ganz Deutschland. Der neue Geist, der auch in vielen anderen Bereichen wehte, begeistere nicht nur das erstarkende Bürgertum, sondern auch progressiv gesinnte Adelshäuser, die sich für das neue Gedankengut begeisterten. In der Kunst kann man diese Zeit noch heute nachempfinden, so in der klassizistischen Architektur, in der Literatur und Musik. Auch das Militär erlebte in dieser Zeit eine Entwicklung hin zu einem Ethos, der zumindest Offiziere betraf. In der Mitte des 18. Jahrhunderts brach in Deutschland dann der Siebenjährige Krieg aus, der für die Entstehung der Freimaurerei in Magdeburg die Basis bildete. Magdeburg war zu dieser Zeit Preußens stärkste Festung und aus diesem Grund während kriegerischer Auseinandersetzungen Fluchtort für die preußische Königsfamilie und Lager für den Staatsschatz. Die Festung diente neben der Verteidigung auch als Gefängnis und Aufenthaltsort für kriegsgefangene Offiziere. Diese waren unter recht lockeren Bedingungen interniert und durften sich innerhalb der Festungsstadt relativ frei bewegen. Gemeinsam mit Magdeburger Bürgern und wallonischen Neubürgern gründeten vor Allem französische Offiziere im Jahr 1761 die Loge "De la Felicite", das war die Geburtsstunde der Freimaurerei in Magdeburg. Nach Streit um die Ausrichtung und Sprache der Loge teilte sich die Loge in zwei, um dann auf Anordnung von Friedrich dem Großen persönlich am 27.09.1778 wieder zu einer Loge vereint zu werden. Friedrich schickte seinen Vertrauten Herzog Ferdinand zu Braunschweig und Lüneburg, um den Vereinigungsprozess durchzuführen. Auf Bitten der Loge trägt diese seitdem den Namen "Ferdinand zur Glückseligkeit".
In den nächsten Jahrzehnten florierte das Leben in der Loge, die Turbulenzen der französischen Revolution und der napoleonischen Zeit wirkten natürlich auch in die nach wie vor wichtige Festungsstadt hinein und die Loge Ferdinand war sowohl inhaltlich als auch strukturell diesen Einflüssen ausgesetzt. Das System der Freimaurerlogen in Deutschland und Europa war sehr unübersichtlich und ständig wechselnde Mitglieder brachten die unterschiedlichsten Herausforderungen mit sich. So gab es bereits Ende des 18. Jahrhunderts einige Freimaurer in der Stadt, die nicht bereit waren, unter dem System der "Nationalmutterloge zu den 3 Weltkugeln", der die Loge "Ferdinand zur Glückseligkeit" angehörte, zu arbeiten. Sie wollten eine Loge nach dem System der "Großen Loge von Preußen Royal York zur Freundschaft" gründen und diese als zweite Loge in Magdeburg etablieren. Doch es dauerte noch 3 Jahrzehnte, bis das möglich wurde. Am 3. Februar 1826 schließlich stellte Die "Große Loge Royal York zur Freundschaft" in Berlin das Gründungspatent für die Magdeburger Loge "Harpokrates" aus.
Die Magdeburger Brüder hatten für ihre neue Loge eigentlich den Namen "Hekate" ausgewählt aber dieser erschien der Berliner Großloge so ungewöhnlich, dass sie ihnen die Wahl eines anderen Namens empfahlen. Die Wahl der Magdeburger Freimaurer fiel dann auf "Harpokrates", den griechischen Gott der Verschwiegenheit. Der Legende nach legt Harpokrates allen Neugeborenen den Finger auf den Mund, dadurch erhalten wir alle die Falte über unserer Oberlippe. Verschwiegenheit ist eine wichtige freimaurerische Tugend.
Blüte und Verbot
Die größte freimaurerische Blüte in Magdeburg fiel identisch in die Zeit der großen wirtschaftlichen Entwicklung und der sprunghaften Zunahme der Bevölkerung, der Epoche, die wir im Allgemeinen als Gründerzeit bezeichnen. Im Zeitraum von 1860 bis 1914 stiegen die Mitgliederzahlen dramatisch. Für die neue gesellschaftliche Oberschicht, das Bürgertum, entwickelte sich ein neuer, unvorstellbarer Wohlstand, der bisher nur dem Adel vorbehalten war. Mit diesen Vermögen wurden nicht nur wunderbare Villen erbaut, die bis heute teilweise erhalten sind, sondern auch selbstbewusst wirkende Logenhäuser, die ebenfalls Wohlstand, bürgerliches Engagement und gesellschaftliche Bedeutung ausstrahlten. Hatten die Freimaurer in Magdeburg vorher gut geeignete, praktisch und dem Bedarf angepasste Immobilien, so gab es nun Paläste mit mehreren Sälen für verschiedene Zwecke, mit eigenen Bibliotheken und gastronomischer Versorgung, prachtvoll eingerichtet und an zentralen Orten in der Stadt. Noch heute zeugt das Logenhaus der Loge "Ferdinand zur Glückseligkeit" von dieser Zeit, auch wenn längst nicht das gesamte Gebäudeensemble den zweiten Weltkrieg überstanden hat. Zwei große Säle sind noch erhalten und lassen an diese große Zeit der Freimaurerei erinnern. Das Logenhaus der Loge "Harpokrates" befand sich an der Ecke Otto-von Guericke-Straße/Große Münzstraße. Es wurde im zweiten Weltkrieg komplett zerstört, heute steht dort das ehemalige SKL-Verwaltungszentrum, im Erdgeschoss das bekannte chinesische Restaurant "Kimbo-Burg". Die Loge "Harpokrates" hatte unter ihrem Stuhlmeister Hoppe im Jahr 1900 genau 165 Mitglieder, die Loge "Ferdinand" sogar an die 600! Die Mitgliederstruktur hatte sich durch die Aufhebung der Festung und die neuen Schwerpunkte in der Stadt längst gewandelt. So führt das Mitgliederverzeichnis von 1900 nur noch einen Militär als Mitglied auf aber 61 Kaufleute, 52 Fabrikanten und Gewerbetreibende, 29 Verwaltungsbeamte und 11 Lehrer. Die Mitgliederstruktur spiegelte eine aufstrebende Stadt in der Gründerzeit wider. Männliche Bürger, die sich zum Magdeburger Bürgertum zugehörig fühlten und es sich finanziell leisten konnten, wurden Mitglied in einer der Freimaurerlogen. Darüber hinaus gab es in den Logen auch zahlreiche andere Möglichkeiten des Engagements: Musik- und Literaturvereine, Vereine für wohltätige Zwecke und Freundeskreise sorgten für Männer, die keine Mitglieder wurden aber auch für viele Frauen, sich im Bereich der Logen zu engagieren. Magdeburg prosperierte und mit ihnen auch die Magdeburger Freimaurerlogen.
Die Zeit der Blüte endete jäh mit dem Beginn des 1. Weltkrieges. In der ersten großen Kriegsbegeisterung beschloss die Loge, fast ihr gesamtes Gebäude dem General-Kommando des IV. Armeekorps unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Dieses übergab sie dem Vaterländischen Frauenverein zur Einrichtung eines Lazarettes. Das Logeninventar wurde auf dem Dachboden eingelagert und lediglich der Meistersaal wurde für freimaurerische Zwecke verwendet. Das freimaurerische Leben ruhte de facto, Männer im wehrfähigen Alter waren im Krieg und mit zunehmendem Verlauf des Krieges hatte niemand mehr Sinn für freimaurerische Arbeiten. Nach Kriegsende ergriffen die unruhigen Zeiten auch die Magdeburger Logen. Im Januar 1918 fand zum letzten Mal die traditionelle Gemeinschaftsarbeit der Magdeburger Logen anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm dem II. statt, der dann im November des gleichen Jahres abdankte. Es folgt eine Zeit der politischen und wirtschaftlichen Schwankungen. Dennoch stieg die Zahl der Brüder im Jahr 1925 wieder auf erstaunliche 264. In der Mitte der zwanziger Jahre hatte sich die Loge stabilisiert und sich auch auf die Bedingungen der 1918 neu gegründeten Republik eingestellt. Doch erneut zogen dunkle Wolken auf, es entwickelte sich eine politische Situation, die für die Freimaurerei in Deutschland und Magdeburg zu einer nie da gewesenen Bedrohung wurde.
Bereits in den zwanziger Jahren, als sich das nationalsozialistische Gedankengut in Deutschland zu einer politischen Kraft entwickelte, geisterten Propagandaschriften über eine "Jüdisch-freimaurerische Weltverschwörung" durch das Land, die vorhersagten, welche Bevölkerungsgruppen ins Visier geraten würden, wenn es zu einer Machtergreifung der Nationalsozialisten kommen würde. Der Antisemitismus in Deutschland reicht zurück bis ins Mittelalter, neu war die Erweiterung um die Freimaurer. Diese hatten sich, auch aus ihrem Selbstverständnis heraus, oft aktiver und verantwortungsvoller um die Situation in Deutschland bemüht und machten sich auch als verschwiegene Organisation, die nicht für jedermann zugänglich war, für jede Autokratie hochgradig verdächtig. Hinzu kam, dass Freimaurer sich bei ihrer Aufnahme zu Loyalität zu dem Staat, in welchem sie leben, zu bekennen haben. Dieses Bekenntnis war selbstverständlich für einen großen Teil der deutschen Freimaurer problematisch obwohl es auch einige Bemühungen von Kreisen der deutschen Freimaurerei gab, sich mit der nationalsozialistischen Doktrin zu arrangieren.
Ungeachtet dessen kam es zur Ankündigung des Verbotes der Freimaurerei in Deutschland, welchem die meisten deutschen Logen durch eine vorherige Selbstauflösung zuvorkamen. So geschah es auch in der Magdeburger Loge "Harpokrates" im Jahr 1933. Für die deutsche Freimaurerei war eine Epoche angebrochen, die sie selbst bis heute als "Dunkle Zeit" bezeichnen. Niemand konnte wissen oder ahnen, wie lange diese Zeit dauern würde, bezeichneten die Nationalsozialisten ihr Großdeutschland selbst als "Tausendjähriges Reich". Die Freimaurerei in Deutschland hörte auf, zu existieren.
Die Wiederauferstehung
Das Tausendjährige nationalsozialistische Reich überdauerte ganze 12 Jahre und brachte zig Millionen Menschen auf der ganzen Welt den Tod, Städte wurden zerstört, Länder verwüstet. In einem globalen Kraftakt konnten alliierte Kräfte den Sieg über Nazideutschland erringen und einen Frieden wiederherstellen. Die Weltkarte wurde in vielen Bereichen neu sortiert und ein Ergebnis dieser Umwälzungen war eine Teilung der Welt in zweier Lager. Diese wurden sehr vereinfacht in Ostblock und die westliche Welt eingestuft und bildeten zwei sich feindlich getrennte Lager. Getrennt wurden diese Lager durch einen "Eisernen Vorhang" der sich mitten durch Europa zog und Deutschland mittendurchschnitt. Die deutsche Teilung war insofern einmalig, dass sich ein Land mit einer gemeinsamen Kultur, Sprache und Geschichte nun plötzlich als "Speerspitze" zweier Gesellschaftsordnungen wiederfand, was nicht nur zu einer massiven militärischen Stationierung und Bedeutung, sondern auch zu einer völlig unterschiedlichen Entwicklung dieser Landesteile führte. Während der Westteil Deutschlands auch unter Mitwirkung der westlichen Kriegsalliierten sich recht schnell vom Trauma des Krieges erholte und sich bald wirtschaftlich und sozial entwickelte, geriet der Ostteil, die DDR, unter den direkten Einfluss der kommunistischen Sowjetunion mit allen Auswirkungen auf Demokratie, alle Formen der Freiheit und einer wirtschaftlichen Abhängigkeit.
Diese sehr unterschiedliche Entwicklung spiegelt sich auch in der gänzlich verschiedenen Wiederaufnahme freimaurerischen Lebens in beiden Teilen Deutschlands wider. In der Bundesrepublik begannen die Logen, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Logenhäuser wurden wieder in Besitz genommen, Kriegsschäden beseitigt, wo es möglich war und wo nicht, neue Logengebäude errichtet. Die Brüder der Logen wandten sich diesen wieder zu und es gelang Ihnen auch, neue, junge Brüder für ihre Arbeit zu gewinnen. Mit wachsendem Wohlstand fanden immer mehr Männer den Zugang, sich mit Hilfe der Freimaurerei für die Gesellschaft zu engagieren und die Werte der Freimaurerei für sich zu entdecken. Die Logen entwickelten sich wieder zu einem festen Teil der (west-)deutschen Bürgergesellschaft.
Ganz anders schlug die Freimaurerei den Weg in dem östlichen Teil Deutschlands ein. Direkt nach dem Krieg gab es bereits Versuche, auch hier wieder freimaurerisches Leben zu etablieren und die sowjetische Administration sah darin auch gar keine große Bedrohung. Aber es waren die neu aufgebauten Strukturen der gerade gegründeten DDR, welche großes Misstrauen und Abneigung gegen die Freimaurerei entwickelte. Schnell wurde allgemein klar, dass es keine demokratische Republik werden würde, sondern, wie im kommunistischen Kontext verfasst, eine "Diktatur des Proletariats". Da war kein Platz für eine (im positiven Sinne) elitäre, verschwiegene Geheimorganisation, auch wenn diese noch so sehr beteuerte, dass sie keinerlei Absichten hegte, sich gegen den Staat zu stellen. Hinzu kam, dass die Verantwortlichen in der DDR in den zerstörten Städten für die noch vorhandenen Logenhäuser andere Pläne hatten: sie entweder für sich selbst zu nutzen oder sie der sozialistischen Städteplanung zu opfern. Das bedeutete also auf dem Gebiet der DDR eine Verlängerung der "Dunklen Zeit" für die Freimaurerei um mehrere Jahrzehnte bis zum Ende der DDR im Jahr 1989. Es gab auch in der DDR einige freimaurerische Bestrebungen vor Allem im Umfeld einiger Universitätsstädte. Diese verliefen jedoch vollständig konspirativ und konnten keinen Einfluss auf die Gesellschaft ausüben. Wurden sie bemerkt, wurden die Protagonisten auch verfolgt und mit Repressalien belegt. Während also in der Bundesrepublik Deutschland die Freimaurerei nach der dramatischen Zäsur des 2. Weltkrieges sich in progressiver geregelter Entwicklung befand, schlief in der DDR das freimaurerische Gedankengut nach dem Krieg nahezu weiter und viel Wissen um Inhalte und Geschichte drohten völlig verloren zu gehen.
Ende der Achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts zeigte sich, dass das System des Ostblocks wirtschaftlich und gesellschaftlich am Ende war. Zu den Entwicklungen der "Wende" sollen hier keine Ausführungen gemacht werden, die Geschichte ist hinlänglich bekannt. Entscheidend war jedoch der Fall des eisernen Vorhangs, die Umbrüche in Ostdeutschland und letztendlich der Vollzug der Deutschen Einheit auch für die Zukunft der Freimaurerei in Ostdeutschland und in Magdeburg. Bereits kurz nach der Einheit bemühten sich zahlreiche Brüder aus der alten Bundesrepublik zu erforschen, welche freimaurerischen Spuren es noch gab und ob es Männer geben würde, die sich für die freimaurerische Idee begeistern ließen. Viele Brüder aus den alten Bundesländern wollten die Idee der Freimaurerei wieder nach Ostdeutschland bringen und sie zu neuem Leben erwecken. Oft waren es Freimaurerbrüder, die es beruflich in die neuen Länder verschlug und die sich Hilfe in ihren Heimatlogen im Westen suchten. An vielen Orten entstanden so zunächst Interessentengruppen, sogenannte "Kränzchen", aus denen sich dann alsbald Logen gründeten. An fast allen Orten wurden historische Logen wiedererweckt, lediglich wo es Interesse gab aber keine historischen Logen existent waren, wurden ganz neue Logen gegründet. In Magdeburg waren es vor Allem Brüder aus Celle/Niedersachsen, die sich um die Wiedergründung der Loge "Harpokrates" sehr verdient gemacht haben. Gemeinsam mit anderen Brüdern aus Westdeutschland aber auch mit einer schnell wachsenden Zahl von Interessenten aus der Stadt konnte eine Gruppe gebildet werden, die sich durch regelmäßige Treffen und gut organisierte Öffentlichkeitsarbeit so vergrößerte, dass an eine Wiederbelebung der Magdeburger Loge gedacht werden konnte. Aus diesen Bemühungen entwickelte sich die Möglichkeit, 1993 die Loge "Harpokrates" offiziell wieder zu gründen, in der Freimaurerei spricht man davon "Das Licht wieder einzubringen". Nach Gesprächen mit der zuständigen Großloge und der Schaffung von Strukturen im deutschen Vereinsrecht konnte so das Licht in unsere Loge im Jahr 1993 wieder im freimaurerischen Tempel leuchten. Nachdem bereits 1991 die Loge "Ferdinand zu Glückseligkeit" wieder zum Leben erweckt wurde, gab es nun wieder zwei arbeitende Logen in Magdeburg, das einstmals als eine große freimaurerische Hochburg galt.
Seit dieser Zeit bemühen sich die Logen in unserer Stadt, die Freimaurerei als eine Lebenseinstellung und einen Teil bürgerlicher Arbeit zu etablieren und versuchen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Verantwortung in vielen Bereichen Magdeburgs zu tragen und die Stadt mit zu entwickeln. Das gelingt mal besser und mal schlechter, auch an den Logen gehen die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht spurlos vorbei. Die Mitglieder der Logen sind keine besondere Menschengruppe, sondern sie sind natürlich Spiegel unserer Gesellschaft. Die Probleme der Welt werden darum auch in die Logen hereingetragen aber dort auch reflektiert und sollten durch die Brüder durch gemeinsames Be- und Verarbeiten vermindert und Ideen für Lösungen gefunden werden. Dabei werden die Logen, wie üblich, nicht als Gruppe aktiv werden, sondern die Brüder stärken, als Persönlichkeiten in ihrem Umfeld zu handeln. Das ist eine wesentliche Aufgabe der modernen Freimaurerei und einer der wichtigsten Gründe, sich mit aller Kraft für die Zukunft der Freimaurerei einzusetzen. Die Loge Harpokrates hofft, auch über die zurückliegenden 200 Jahre hinaus für diese Ziele eine Heimat in unserer Stadt Magdeburg zu haben.
